So etwas passiert mir (hoffentlich) nicht…

Es steht ganz selten mal in der Zeitung, es passiert nicht in Hamburg, schon gar nicht da, wo ich wohne, und vor allen Dingen passiert es nicht mir. 

Mir kommt keiner zu nah, mir läuft nachts keiner hinterher, mich bedroht keiner, mir zieht man nicht das Telefon ab, mir hält niemand ein Messer an den Hals und sagt “Mach die Tür auf und sei ganz leise”. 

So etwas passiert mir nicht. 

Und dann kommt der Anruf. 

         „Sie liegt im Krankenhaus in Berlin. Da ist sie ja kürzlich hingezogen. Versuchte Vergewaltigung. Schwere Verletzungen im Unterleib.“ 

Was

ist

los

„Ist meiner Nachbarin hier in Köln auch passiert. Sie schloss die Haustür auf und plötzlich warf sie jemand in den Hausflur, riss an ihrer Hose rum und so… Sie hat dann so lange so laut geschrien, bis endlich mal ein Nachbar wach wurde und rauskam… Hätte auch anders enden können…“

Bitte was?

Das geht nicht. Ich will nicht, dass so etwas passiert. Nicht Fremden, nicht meinen Freunden, meiner Familie oder mir. 

Aber ICH pass ja immer auf… Ich achte ja immer darauf, dass mir keiner hinterher läuft, wenn ich nachts von einer Party nach Hause laufe. Ich wohne ja mittendrin, direkt neben dem Ex-Gefahrengebiet, da passiert ja nichts. 

Überhaupt… Ich bin fast ein 1,80 groß, mir tut doch keiner was… 

Vor allen Dingen, weil ich ein Mädchen bin… Die viel und gerne Röcke trägt… Die gerne immer noch ein Bier mehr trinkt… Die alleine nach Hause geht, weil sie ja um die Ecke wohnt… Am Park vorbei, wo wenig Verkehr ist… Durch Straßen läuft, auf denen nichts los ist… 

Man muss nicht mein Freund auf Foursquare sein, man muss nicht “Hoch die Tassen”-Bilder auf Instagram ansehen. Man muss sich nur an das Ende des Tresens stellen und uns zusehen, wie wir Gin Tonic, Wein und/oder Bier in Runden bestellen und abwarten, bis uns das Geld ausgeht und einfach ganz entspannt hinterherlaufen. Fertig. So einfach ist das. Und eigentlich muss man nicht mal die wertvolle Zeit in der Bar bis morgens um 4 mit uns abhängen, man kann uns auch einfach unterwegs abfangen. 

 

Nein. Stopp. Wer mich kennt, weiß, dass ich die bin, die heute feiert und nicht an morgen denkt. Für besondere Vorsicht, Ängstlichkeit oder Schüchternheit bin ich nicht bekannt. Aber das hier ist anders. 

Ich werde es nicht aufhalten können, aber ich möchte, dass wir mal drüber nachdenken. 

Ich trage jetzt immer Pfefferspray bei mir. Ja, das kann alles und nichts sein. Gegen den Wind schieße ich mir ein Eigentor, das weiß ich auch, und ich möchte, dass es niemals zum Einsatz kommt, aber vielleicht tut es das doch, und vielleicht hilft es ja. 

Ich bin die Letzte, die sich Zuhause einsperrt und nicht mehr rausgeht. Aber ich möchte mich im Zweifelsfall vielleicht etwas wehren können. 

Ich hoffe, dass alle die das lesen, es auch tun. 

In der Bar suche ich die kleine Dose jetzt schon raus, stecke sie in meine Jackentasche und halte sie in der Hand, bis ich Zuhause die Eingangstür hinter mir geschlossen habe. Man sollte das Spray einmal „testen“ – wie Haarspray –, so braucht man beim ersten Mal etwas mehr Kraft, um den Hebel zu bewegen. 

Ich habe mich nie nie nie unsicher, beobachtet oder verfolgt gefühlt. Aber das haben andere mit Sicherheit auch nicht.

Pfefferspray gibt’s bei Amazon. Kostet so viel wie ein Glas mittelmäßiger Wein. 

So. Und jetzt bin ich auch fertig. 

Ein schönes Wochenende allen. Please be safe. 

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