Foursquare & Swarm & ich – Ein Drama in 3 Akten.

Foursquare Playground SXSW12
Foursquare Playground SXSW12

Es braucht circa 10 Minuten, um sich das alles durchzulesen. Zieht sich aber machmal vermutlich. Darum im Zweifelsfall zu TEIL III scrollen. Das stehen ein paar Gedanken zum aktuellen Hokuspokus.

TEIL I

Ich liebe Foursquare.

Wenn ich nicht weiß, was ich wählen soll, schaue ich mir die Tipps bei Foursquare an. Fertig. Oder wenn ich mir nicht vorstellen kann wie das Essen aussieht. Zack, Foursquare, Fotos, super. Oder, wenn ich das WLAN Passwort brauche. Hach, Foursquare.

TEIL II

Das Foursquare Problem und was bisher war.

Es gab immer mal Gerüchte, dass Foursquare dicht macht, weil sie eine zu hohe Burn Rate haben. Wurde z.B. auf der SXSW13 erzählt. Bevor 2 Monate später wieder $ 41 Millionen eingesammelt wurden.

Profitabel oder nicht, Foursquare hat sich in den Jahren entwickelt.

Immer wieder in verschiedene Richtungen. Punkte, Badges, Recommendations (siehe nächster Abschnitt),… Das kann man jetzt inkonsequent finden, find ich aber nicht. Man hat sich ausprobiert und nebenbei Daten gesammelt, wie die Großen, und gelernt.

Ein neues Update ist wie ein neuer Fokus, schallalalalala…

Immer wieder wurde auf verschiedene Punkte fokussiert.

Zum Beispiel: Punkte.
Ja, es wurde eine Zeit lang eingecheckt was das Zeug hält, weil die App das Leaderboard in den Fokus gerückt hatte. An jeder Straßenleuchte wurde eingecheckt, und wehe man war an einem neuen Ort: Sofort die Punkte für „First of your friends“ einkassieren. Das ist natürlich super um Bewegungsprofile zu erkennen. Wer 3 mal die Woche in der Bar eincheckt, checkt auch 2 mal die Woche nach 3 Uhr morgens bei der Dönerei nebenan ein. Irgendwann kann man dem, der in der Bar eincheckt, dann auch gleich die Dönerei um die Ecke vorschlagen. Je größer die Datenmenge, desto besser. Versteh ich.

IMG_3608Dann gab es noch die Sache mit den Badges. Badges waren eine Zeit lang DER heiße Scheiß. Flughafen, You’re on Boat, Partymaus, es gab für alles Badges. Sie gaben einen Circa-Eindruck, wo sich der gegenüber so rumtreibt. Eher so der Outdoor Typ? Oder vielleicht Coffee Lover 3000? Oder 9-5 Worker? Adventurer? Und das machten auch gleich die Geschäfte mit: Starbucks hatte ein eigenes Badge, das man nach ein paar Mal einchecken bekommen hat, Nokia hat eigenes zur SXSW2012 (wobei da Badges auch verteilt wurden wie Luft), und ja, es gibt auch das „Ich bin ein Berliner“ Badge.

Nächster Fokus: More Data. „Leave a tip“ und „How did you like it?“. „Akzeptiert der Laden Kreditkarten?“, „Gibt es da WLAN?“. Einfach zu beantwortende kleine Fragen, um ein paar Randinformationen zum vorherigen Check-ins einzusammeln.

Auch groß: Listen. Viele Leute haben für unterschiedliche Städte Listen angelegt. Lissabon, Barcelona, New York, SXSW,… Und für Leute, die gerne reisen, sind diese Listen ein Traum. Denn wem vertraut man mehr als seinen Freunden?

So. Long story short: Cooles Produkt. Für mich jedenfalls. (Wiederholung von oben, aber kann man ja nicht oft genug sagen)

TEIL II 1/2

(Fast geschafft)

Jetzt teilt sich die App in zwei Teile: Swarm und Foursquare. Foursquare selbst soll zum Entdecken sein, also „Wo  trinke ich hier Kaffee?“.  Das Update wird im Sommer erwartet. Swarm ist gerade raus und zeigt Dir Deine Foursquare Freunde an und wo sie sind.

Wenn man so möchte „Foursquare für Locations und Tipps“, „Swarm für den Social Kram“.

Argumentation Pro und Contra. Und was jetzt kommt.

Auf der einen Seite finde ich es sinnvoll, die App in zwei Teile zu teilen, denn das ist besser als eine, die völlig überlaufen ist.

Mit Swarm kommen –natürlich– auch Neuerungen. Das ist grundsätzlich erstmal gut, denn wer stehenbleibt, verliert schnell (Facebook pennt ja auch nicht).

Und für irgendwas müssen die oben genannten 41 Millionen Dollar ja gut sein…

Neues/Änderungen/Tickt Ihr noch ganz richtig?

Die Mayorships werden gelockert. Heißt: In jedem Freundeskreis gibt es jetzt Mayor für alles. Das finde ich an sich erstmal lame. Irgendwie ist es panne. Ist doch viel spannender, wenn ich mich täglich in meinem Lieblingscafé mit einem Fremden ein Battle liefer, als mit einem Freund, aber hmm. Da kann ich drüber hinweg sehen.

Aber was heißt das für die Mayor Deals? Seit 2010 gibt es z.B. bei Vapiano für den Mayor eine Tasse Kaffee gartis. Wenn jetzt 10.000 Mayor in der Stadt rumlaufen, kriegen die dann alle einen? Just wondering…

Was Foursquare vorher schon angefangen hat und was ich da schon schwierig fand, war der Check-in Vorschlag.

Das war vermutlich das vorsichtige Angewöhnen an die nächste größere Änderung: The Neighborhood Sharing. Heißt: Es wird festgehalten, an welchem Sendemast ich zuletzt stand. Wenn Du jetzt auch irgendwo in die Ecke kommst, dann leuchtet mein hübsches Bild auf, damit Du weißt, dass ich nicht weit weg bin. Die Happy Hour kann beginnen.

Im Prinzip: kein Problem. Ernsthaft, ich bin nicht die, die an dieser Stelle die Datenschutznummer fährt. Aber: Ich bin auf Foursquare neben Freunden z.B. auch mit Kollegen befreundet. Da muss morgens nicht stehen „last seen 5 hours ago at the biggest Party“. Außerdem verstehe ich die Notwendigkeit nicht. Ich meine, man hat doch vorher schon auf der Map gesehen, wo sich die Freunde zuletzt eingecheckt haben.

Bottom Line: Niemand muss sehen, dass ich nicht letzte Nacht nicht in meinem Viertel, sondern woanders war. Und danach ins Büro gegangen bin. (Das war jetzt ein Beispiel.)

Ich glaube, mein Problem ist, dass es kein aktives Einchecken ist, sondern ohne mein Ok abläuft. JA, ich kann es auch abschalten. Hab ich auch gemacht.

Aber der Grundgedanke gefällt mir nicht. Es ist so ein Facebook-Arschi-Behaviour. Foursquare war bisher „Ich checke mich ein, um zu zeigen, wo ich bin“, jetzt ist es ein „Ich stelle meine Sichtbarkeit aus, weil ich nicht gesehen werden möchte“. Also eine Umkehrung. Ergibt das für Andere Sinn?

TEIL III

Wie geht es weiter mit Foursquare?

(Vielleicht kommt sie jetzt endlich mal zum Punkt)

Mit der „neuen“ Foursquare App möchte man vermutlich die erreichen, die Foursquare noch nicht nutzen und ein Konkurrenzprodukt für YELP schaffen. War es vorher auch schon, aber jetzt (also im Sommer dann) können es auch die nutzen, die sich nicht einchecken möchten. Und vielleicht… Wenn sie sehen, dass Freunde dort Tipps hinterlassen oder so, nutzen sie die Check-in Funktion auch, User Base steigt usw usf. Wäre ja möglich.

IMG_3677Swarm Feature: Later List

Vielleicht löst Swarm aber auch ein Problem, das die anderen tatsächlich noch nicht so intensiv angefasst haben.

Die einen posten vielleicht „Gleich Drinks in Mitte“. Aber wenn andere „Später Kino!“ in die Liste tippen, könnte –TADA– ein Link zur Ticketbestellung hinzugefügt werden. Man könnte also den „Gleich-Geht-Noch-Was-Und-Hier-Gibts-Tickets“ Markt anfassen. Ja, Last-Minute Tickets sind nicht super neu, aber der Anlass –nämlich der Fakt, dass Freunde mit Sicherheit hingehen– könnte es erfolgreich gestalten. Das könnte, wenn richtig geplant, umgesetzt und von der Masse angenommen, ein weiteres Monetarisierungsding sein. Wie immer nicht in Deutschland, weil die Masse hier nicht vorhanden ist, aber vielleicht steht die Hauptbühne ja in den USA. Und da könnte das vielleicht anders aussehen.

Jetzt ist das mit dem Kino natürlich so ein schwieriges Beispiel. Gerade in Zeiten von Netflix und Co. Also vielleicht ist es auch Quatsch. Denn für das übliche „Gleich noch nen Glas Wein?“ braucht mein kein Ticket, damit stirbt die Idee schon wieder so halb. Außer natürlich, man haut da noch mal Ads und Special Deals rein.

Oder: Order in Advance! Nicht Getränke, aber vielleicht Pizza. Hm. Was, wenn die Leute dann nicht aufkreuzen? Vorabbezahlen. In-App Payment. Das sollte doch gehen. Könnte das das Kaffeeschlangenproblem lösen? Reinkommen, App zeigen, „Hier, ich bin der Tom mit der Latte“ und am Ende des Tresens nur noch den einen Dollar Tip ins Glas und den Becher mit Koffein mitnehmen?

Und das „Neue Foursquare“? Foursquare soll auf Local Search fokussieren, so im Foursquare Blogpost (ganz unten). Hm, könnte auch wieder irgendwas mit Ads bedeuten.

Das traurige ist, dass Foursquare Geld machen muss. So wie Twitter auch. So wie Instagram auch (auch wenn von Facebook gekauft. Oder vielleicht deswegen). Alles Ideen, die toll sind, die Investorengelder schlucken wie ein Porsche Sprit und außer Spaß bisher nur halb so viel abwerfen.

Jaja, es ist ein Business, hört mir damit auf. Und wenn nicht Geld in die Kassen kommt, macht man den Laden zu.

BWL für Einsteiger, keine Zeit für von Luft und Liebe leben. Ich weiß es ja…

Aber es bleibt spanned. Ich freue mich immer über News aus dem Hause Foursquare. Aber bitte hört mit der Facebook-Arschigkeit auf. Denn.. Facebook mag ich auch. Aber… Wenn ich nicht „ja, weiter“, sondern „nein, stopp hier!“ sagen muss, fühlt sich das nicht mehr wie die nette App von nebenan an, sondern wie jemand, der mich zu etwas drängen will. Und das mag ich nicht.

 

 

 

 

 

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