Es ist 2020 und was soll ich sagen? Falls das hier in 50 Jahren mal einer liest: Ja, es ist Corona o’clock.

Seit März hat sich die Welt hier verändert und wir uns natürlich auch ein bisschen.

#StayAtHome war vor 6 Monaten der Trending Hashtag und man überwarf sich mit „Tipps & Tricks für’s Home Office“:

  • So arbeitest Du richtig
  • So gelingt Team Work
  • Fit und Fröhlich in den eigenen vier Wänden

Und das brauchte man auch. Da ich ans Home Office schon ein bisschen gewöhnt war, aber nun merkte, dass das wohl etwas Festes und was für länger wird, wurde noch schnell ein Monitor und ein Aufstell-Steh-Schreibtisch besorgt und seitdem läuft das hier wie geschnitten Brot.

Da der Pendlerverkehr zwischen meinem Schlaf- und meinem Wohnzimmer überschaubar war, blieb ich morgens sehr viel länger liegen und rannte dann ungeduscht zum ersten Call um halb 10 ins Wohnzimmer. Das kann so nicht weitergehen, merkte ich dann auch irgendwann.

Und so begann ich langsam, aber sicher, eine neue Routine zu entwickeln: Jeden Morgen nach dem Aufstehen und nach oder mit dem ersten Kaffee gehe ich jetzt eine Runde spazieren.
So 3 – 4 Kilometer. Jeden Tag. Seit Monaten.

In der Regel ist es die gleiche Strecke: Am Landwehrkanal runter bis zum Club der Visionäre und dann auf der anderen Seite an der Factory vorbei und zurück. Eine schöne Strecke.
Zum Spazieren und zum Rumgucken.
Am Kanal oder an der Spree.
Und beobachten.
Wie anfangs keine Autos mehr fuhren und dass mehr Leute joggen gingen als in der ersten Januarwoche.
Und dass aus Übergangsjacken T-Shirts wurden.
Und dass sich die Spielplätze füllten und die Jogger weniger wurden.
Irgendwann waren die Busse nicht mehr so leer.
Und die Blätter an den Bäumen, die erst vorgaben ein Pantone „Forever green, my dear!“ zu tragen, sich doch schleichend veränderten.

Es ist so, als würde man dem Leben beim Rumleben zusehen. Überall so auf seine Weise.

Und dabei fiel mir auf:
Bei allen schlechten Nachrichten gab es die letzten 6 Monate gefühlt jeden Tag eine gute Nachricht: Sonnenschein. Und der wird mitgenommen! KreuzBeach Bräune statt Rosé in St. Tropez ist dieses Jahr also die Devise.

Natürlich wird weiterhin gearbeitet. Morgens nach dem Rundgang bis mittags. Dann und nach Feierabend geht es wieder raus! Sonne, ich grüß Dich! In der Regel versuche ich am Tag auf 10 km zu Fuß zu kommen, manchmal sind es 12, machmal 7, sonntags meistens sehr, sehr viel weniger, weil ich da gerne im Bett bleibe. Unterwegs packe ich gerne auch die Stöpsel ins Ohr und höre Podcasts oder telefoniere. Das kann man draußen ohne andere zu stören genau so gut wie auf’m Sofa. Und so bin ich im Monat durchschnittlich laut Apple Health bei 8,4 km täglich.

Langsam erkennt man auch Leute, die einer ähnlichen Routine nachgehen. Erst beobachtete man, dann guckte man nur kurz in die Richtung, irgendwann fing man an sich zuzunicken, jetzt sind wir bei „Moin“. Nächste Woche fange ich mit „Schönen Tag!“ oder sowas an.

Mit ständigem draußen Rumlaufen, überhaupt nur noch draußen sein und Innenräume meiden, fühlt es sich an wie der längste Sommer, den ich jemals erlebt habe. Vermutlich trägt auch das nicht-verreisen dazu bei. Dieser Sommer fühlte sich ewig an.

Und nun? Jetzt gerade, genau heute, regnet es aus Eimern. Richtig krass. Ich habe heute auch keine Lust auf Gummistiefel, morgen aber. Und vielleicht gehört Regen jetzt einfach auch zu dem längsten Sommer aller Zeiten dazu.

Kopf hoch, Richtung Sonne, auch wenn man einen Regenschirm dabei hält.

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