Unsportlich, Teil I

Das Wasser tropft an mir runter und es wird langsam kalt. Ich stehe vor der Glasscheibe und starre ich ins Schwimmbecken. “Scheiße”, murmel ich leise, als ich sehe, dass ich mir meine Bahn mit mindestens 2 anderen Schwimmern teilen muss. Hilft nichts, ab ins kühle Nass.

Ich teile meine Bahnen in Einheiten auf. 10 Bahnen = 1 Einheit. Im Wechsel schwimme ich eine Einheit Kraul und eine Einheit Rücken. Doch plötzlich entdecke ich “IHN” auf der Bahn neben mir. Stil: einwandfrei (Kraul, Schmetterling, Rücken,… er weiß wie es geht), Geschwindigkeit: sehr schnell, Ausdauer: bemerkswert, Körperbräune: sieht nach Urlaub, nicht nach Asitoaster aus, Rücken: Schwimmer, Ziel: better, faster, stronger. Er atme alle 3 Züge, behält so rechts und links alles im Blick. Ich atme natürlich nur alle 4 Züge, weil es mir zu kompliziert ist, mir eine neue Atemtechnik anzugewöhnen. Seine macht aber natürlich einen besseren Eindruck, genau wie seine Wende.

Zwischen diesem “Halbgott” und mir, schwimmt ‘die Frau mit der ich manchmal spreche’, weil wir uns so oft sehen. Sie ist geschätzt irgendwas Mitte 40, sehr dünn, geht auf die Sonnenbank,nett für ‘manchmal sprechen’ und schwimmt täglich – glaube ich.

Sein Körper ist schlichtweg makellos. Weiter schwimmt er und guckt alle paar Bahnen auf seine Uhr, um seine Zeit festzuhalten. “Ja, Du bist der Schnellste hier”, denke ich, “Und der Schönste auch.”

Als ich fertig bin mit Gaffen, ziehe ich weiter meine Bahnen. Nach meiner dritten Einheit stehen wir gerade beide zufällig am Rand und ich gucke – natürlich – rüber… unauffällig wie ich bin. Sein Gesicht: fehlerfrei.  Kurz denke ich darüber nach, wie es wäre mit ihm… ins Kino zu gehen. Dann guckt er rüber.

1. Gedanke: Igit, du bist perfekt. (Ich mag keine perfekten Menschen, weil sie dann charakterlich meistens daneben sind)

2. Gedanke: Guck nicht zurück.

Er guckte genau eine Sekunde zu lang um es als ‘nur so rumgucken’ abzustempeln und genau ab dem Moment ist er nur noch eins: uninteressant.

Ich schwimme meine vierte Einheit. Bevor ich das Wasser verlasse, hält ‘die Frau mit der ich manchmal spreche’ neben mir und spricht mich an. “Dieser Vollidiot. Sehen Sie den?” Sie zeigt auf den Ex-Halbgott. “Der schwimmt ja so aggressiv, das ist ne Frechheit. Ich überlegte schon mal zu halten und ihn zur Rede zu stellen, aber er würde über mich drüber schwimmen, mich krankenhausreif schwimmen.”

So, lieber Ex-Halbgott, falls du das hier liest, merke dir eins: Nur weil du unheimlich gut schwimmst, verdammt gut aussiehst und ein Sexappeal hast, dass den ganzen Verein hier in den Schatten stellt, heißt das nicht, dass man sich so benehmen darf. Gar nicht sexy, völlig übertrieben, und vor allem eins: unsportlich. Raus.  

2 Comments Add yours

  1. David says:

    Igitt, perfekte Menschen 😦

    Irgendwie sind alle Schwimmbäder immer zu klein.

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