Vorspeise: Chicken Nuggets

Endlich konnte ich ihn mal wieder tragen: den roten Mantel, den ich vor 5 Jahren in New York gekauft habe. Dazu den bunten Kringelschal, ich liebe diese Kombi! Leider trage ich sie viel zu selten.

Weil es irgendwie noch zu früh war, um den Abend alleine zu Hause zu verbringen, entschied ich von der Agentur aus zum Bahnhof zu laufen. Und als ich das “Güldene M” sah, stieg die Lust auf einen Wrap, obwohl ich die Heidi Klum Kampagne wirklich blöd fand. 

Neben mir stand ein Mann, der mich musterte, während ich bei einer übermäßig motivierten Mitarbeiterin bestellte.

‘Einen Spruch’, dachte ich ‘Einen Spruch über das Verhältnis zwischen Mantel- und Minirocklänge und du kassierst die Retourkutsche deines Lebens.’ Doch er glotzte einfach nur weiter. Vollidiot.

“Sie haben da einen Fleck”, sagte er plötzlich und strich mir über die Schulter. Wie nett von ihm… wie aufmerksam… Ich war ein wenig verlegen, sah ihn jetzt nicht mehr aus dem Augenwinkel an, sondern schaute ihm direkt ins Gesicht.

“Ich weiß”, antwortete ich, halb lachend, halb verzweifelnd.
Wo bleibt das Essen?
“Schon seit 2 Jahren”, fügte ich hinzu. “Wenn ich ehrlich bin, hat er mich nie gestört und ich dachte, andere bemerken ihn nicht. Aber wenn mich jetzt jemand darauf anspricht, sollte ich den Mantel wohl wirklich mal reinigen lassen.”

“Der Wrap braucht noch was. Was darf es für Sie sein?” Die Mitarbeiterin drehte sich zu dem Mann. Er bestellte.

“Nein”, sagte er dann und drehte sich wieder zu mir, “Eigentlich machen Sie das richtig.”

Machte ich nicht. Und das wusste ich auch. Und ja, ich war peinlich berührt. 

“Der Burger braucht noch was”, schnatterte die Mitarbeiterin. “Aber hier sind Ihre Nuggets.”

“Vorspeise?” Er schaute mich so an.

“Gerne.” Ich schaute so zurück und bediente mich. Eigentlich war er gar kein Vollidiot, eigentlich ganz sympathisch.

Er nickte zu einem freien Tisch rüber. 

“Nein, nein, ich muss gleich weiter.” Mein Wrap kam und sein Burger auch. Ich deutete auf ihn, als die hoch motivierte und jetzt vollkommen glückliche Mitarbeiterin mit dem Tablett auf mich zu steuerte. “Achso”, kicherte sie wie ein kleines Mädchen, “Ich dachte, Sie seien zusammen hier.”

Ich schmunzelte, winkte ihm zu und fragte mich beim Verlassen des Ladens, warum ich mich nicht noch 2 Minuten dazu gesetzt habe. Ich bin doch jeden Abend alleine. Warum nicht kurz zusammen was essen und nen bisschen quatschen?

Weil man manchmal gehen sollte, wenn’s am Schönsten ist – mit rotem Mantel, kleinem Fleck und McDonald’s Cesar Chicken Wrap!

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