Ohren auf

“Wie kannst du ohne leben?” So ungefähr klingt die Reaktion der meisten, wenn ich zugebe, dass ich weder einen iPod, noch irgendein anderes mp3-Gerät besitze. Doch es geht ganz gut, ein paar Songs habe ich auf dem Handy, manchmal höre ich mit dem Ding auch Radio. Das reicht mir. 

Mittlerweile sieht man nicht nur immer mehr und mehr Leute mit den Stöpseln im Ohr in der Bahn oder auf der Straße rumlaufen, sondern zum Teil auch auf dem Fahrrad. Das zum Beispiel finde ich etwas grenzwertig. Hört man überhaupt noch, was um einen herum passiert? Kriegt man das alles überhaupt noch mit?

Es gibt so oft das Gefühl, dass zu diesem Moment, dieser Stimmung, gerade genau dieser Song passt oder diese Playlist. Die Montagmorgenplaylist zum Beispiel. Manchmal höre ich im Zug morgens Radio, das ist dann ganz nett. Aber als ich neulich –letztes Jahr– im Urlaub war und durch die Straßen einer fremden Stadt ging, zog ich es vor, den von einem Freund für den langen Flug ausgeliehen iPod in die Tasche zu packen und der Stadt zu zuhören. Wie die Leute reden, die Autos hupen, die Babys schreien und Vögel zwitschern. 

Und heute morgen war es so, dass ich mir irgendwie Musik wünschte, aber das Radio –typisch Hamburg– nichts zu bieten hatte. Stattdessen hörte ich, wie der Regen gegen die Fensterscheiben trommelte, der Rest der Bahn schwieg, nur zwischendurch die Haltestellen durchgesagt wurden. Es war so beruhigend, entspannend irgendwie.

Und es war irgendwie schön, etwas zu hören, was eigentlich so natürlich ist, immer da ist. Der Regen, das Quietschen auf den Schienen, wenn der Zug zum Stehen kommt, das Öffnen der Türen und das Piepen, wenn sich die Türen wieder schließen. Für mich heute eine ganz gute Montagmorgenplaylist.

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  1. ipod autisten sind schlimm. aber die freiheit die musik einem im gedränge der stadt bietet hat viele vorteile.
    als würde man seinen eigenen film fahren, mit dem passenden soundtrack dazu. man ist in der überfüllten bahn, aber man kann trotzdem alleine sein.
    kann. muss aber nicht. man kann auch einfach dasitzen und das leben beobachten.

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