Fingerfertigkeit

Es gibt Dinge, die Eltern einfach besser wissen. Klingt komisch, ist aber so. Dass man so etwas erst viel später feststellt, liegt wohl in der Natur der Sache. Jetzt jedenfalls, bin ich froh, dass ich früher gezwungen wurde, einmal die Woche länger in der Schule zu bleiben.

Meine Eltern waren der Meinung, ich solle so einen “10-Finger-Schreib”-Kurs machen. “Das brauchst du später”, sagten sie. Die Lehrerin war blöd, ich kam viel später nach Hause und sowieso war alles bah. Trotzdem ließen meine Eltern nicht locker und drängten — ‘zwangen’ passt hier wohl besser — mich, weiter dahin zu gehen.

Als ich dann Jahre später im Büro anfing, musste ich feststellen, dass das der Standard ist. Würde ich es nicht können, würde es negativ auffallen. Für mich wurde es normal, alle konnten ist, es wurde nicht weiter erwähnt.

Jetzt in der Uni sieht die Sache wieder anders aus. Viele sitzen hier mit absoluten alles-könnenden-Geräte, beherrschen aber das 10-Finger-System nicht und können darum nicht bei Vorlesungen mitschreiben. “Kannst du das?”, fragte mich gestern jemand und starrte auf meine Finger. Verwundert schaute ich sie an, versuchte es aber nicht zu zeigen. Sie war fasziniert. “Das braucht man später, oder?”, hängte sie an. “Es ist wohl nicht von Nachteil”, antwortete ich.

‘Nicht von Nachteil’ ist wohl etwas wage formuliert, es ist von Vorteil stimmt, es wird fast vorausgesetzt ist vielleicht die Wahrheit.
Und ich wünschte, meine Eltern wären genau so hartnäckig geblieben, als ich ihnen sagte, dass ich das Klavierspielen an den Nagel hänge.

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