Allioli gegen das Montagstief

Die Vorlesung beginnt und vor mir fahren alle ihre Laptops hoch. Denn den größten Teil der Zeit verbringt man hier bei wer-kennt-wen, gmx und StudiVZ (nicht MySpace, obwohl es sinngemäß gerade besser passen würde).
Ich schalte ab, meine Gedanken drehen sich nicht mehr um die Vorlesung, sondern um die Uni an sich.

Es ist schwer zu sagen was diesmal der Auslöser war, aber sie sind plötzlich wieder da. Ohne freundlich anzuklopfen, hatten die Zweifel mal wieder meine Tür eingetreten.

Warum bin ich hier?
Wieso studiere ich?
Und warum fällt es mir so ausgesprochen schwer, diese angeblich schönste Zeit in meinem Leben irgendwie zu ertragen?

Als der Zeitpunkt kommt, an dem ich mir wünsche, mich hinter die Tafel zu verkriechen und zu heulen, merke ich, dass ich nicht alle Schweine im Rennen habe und erkläre mich selbst für unzurechnungsfähig.
Ich schiebe die Gedanken zur Seite. In meiner Vorlesung kann ich das nicht gebrauchen.

Auf dem Weg nach Hause gebe ihnen wieder Raum und ich merke, dass mich heute nur Hamburg auffangen kann.
Dazu brauche ich meinen persönlichen Support aus der Hansestadt, Allioli, Baguettebrot und Weißwein. So wie den vergangenen Sommer.

Ein Freund hatte es irgendwann eingeführt und seitdem ich Norddeutschland verlassen habe, denke ich jedes Mal an ihn, die Elbe und die Alster, wenn ich diese gelbe Pöttchen im Supermarkt sehe.

Jetzt klingelt auch noch das Telefon und es zeichnet sich schon nach 3 Sekunden ab, dass es ein beschissenes Telefonat wird. Beschissene Wortwahl von mir, beschissene Verabschiedung, beschissenen gelaufen. Noch mehr als vorher, nervt es mich dazu, dass es im Laden eben kein Baguette gab. Wäre doch so schön fürs Auge gewesen…

Und so gibt es auch im Wohnheim nur ein kurzes “Hallo”, als ich in die Küche latsche, ein Weißweinglas hole und ohne Worte wieder abhaue.

Bevor ich auf Skype meine Freundin zu Gesicht kriege, spreche ich mit dem Hamburg-Allioli-Freund und lasse den ersten Schwung Frust ab. Und er hört geduldig zu, wie immer! Dieser Mensch ist so gelungen. Er geht mit mir das Theater durch, erzählt aus seinem Leben. Die Überlegung hier alles abzubrechen und es einfach zu lassen, wird angesprochen und verworfen. (Vorerst).

Später sitze ich wieder bei meiner Hamburger Freundin auf dem Bett, sage ihr alles, was ich an diesem Tag noch keinem sagen konnte und höre, was ich hören muss.

Bis das Brot leer, der letzte Tropfen Wein getrunken, das letzte Wort gesprochen ist.

Dann fahre ich Laptop und Gedanken runter.
Und als ich heute Morgen wieder hochfahre, ist alles wieder in Ordnung. Und das liegt nicht zu letzt an dem Töpfchen Allioli.

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