Winterzeit ist Freibadzeit

Es war der 3. Weihnachtstag (nur weil ihr ihn nicht kennt, heißt es nicht, dass es ihn nicht gibt), an dem ich –obwohl es ja ganz nett war– entschied, der Fresserei mal ein Ende zu setzen und mal wieder einen anderen Weg als den zum Kühlschrank und zurück einzuschlagen.

Wieder landete ich im Rheinbad (Düsseldorf), weil… ach einfach darum. Es brauchte 3 Wege zurück zum Spint, weil entweder mein Handtuch, die Schwimmbrille oder die Badekappe darin vergessen wurden, bis ich es ins Becken schaffte. Die Schwimmerei war schrecklich unaufregend. Abgesehen von Hotty auf Bahn 3, der meine Aufmerksamkeit verlor, als ich rausschaute und sah, wie das Becken draußen dampfte.
Nach 23 Bahnen entschloss ich gegen meine Schwimmprinzipien (“30 oder 40 Bahnen” und “niemals nie bei einer ungeraden Zahl aufhören”), die Halle zu verlassen und rauszugehen. Brrrrrr…. ganz schön “frisch”, aber ganz schön schön. Das Wasser war natürlich geheizt und der Dampf wurde vorsichtig vom Wind über das Becken Richtung Wiese getragen.
Ja, wo ich sonst gerne über unsportliches Verhalten (Unsportlich, Teil I, Teil II, Teil III) klage, war ich nun selbst nicht mehr vor mir zu retten – allerdings waren auch nur 2 Leute draußen, welche ich nicht störte. Schwimmbrille wieder auf, Luft holen und tauchen.
Das Becken erinnerte mich an den Aquazoo, so müssen sich Pinguine fühlen. Im Kreis schwamm ich ein paar mal um den ausgeschalteten Wasserpilz und erfreute mich an 2 oder 3 Blättern, die auf dem Beckengrund lagen.
An der Seite sprangen plötzlich Drüsen an und obwohl ich sonst mit Wirlpool und Massagedöns nichts anfangen kann, legte ich mich auf eine Schräge, schaute in den grauen Himmel und hörte den Blubabläschen zu. Leiser Nieselregen tröpfelte in mein Gesicht – mein Hamburg Mädchen würde es “Wellness-Regen” nennen.
Ich schaute um mich, während die Bläschen weiter gegen meinen Rücken drückten. Kahle Bäume, die ESPRIT-Arena, eine rote Wasserrutsche, Wasserpilze und das hübsche 50 m Becken, daneben die Sprungbretter. Alles umrissen von graustem Grau.
Plötzlich wurde es laut.

Und ich sah sie. wie sie über mich hinwegzog. Groß, frei, stark, schön. Ich wusste woher, aber nicht wohin die Reise ging und fragte mich, ob die Passagiere in der Maschine mich wohl auch gerade sehen konnten, bevor der Flieger ganz in der Wolkendecke verschwand.

Normalerweise werde ich immer etwas neidisch, weil ich doch auch so gerne fliege. Dieses mal nicht. Ich freute mich über das Wasser, den Nieselregen und die Flugzeuge. Denn ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort: im Winter im Freibad.

One Comment Add yours

  1. steviecgn says:

    Freibad im Winter…. *grins*
    sehr geil…. jetzt wo ich das gelesen habe will ich auch Plantschen…. ^^

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