Prinzipiell mit Prinzipien und rot und schön

Es gibt Prinzipien, die ich mir selbst aufgestellt habe und an die ich mich auch halte. Dazu gehören moralische (“Finger weg von Beziehungsmenschen, in fremde Pools pisst man nicht!”), wirtschaftliche (“schön, unerschwinglich, kaufen!”) und allgemeine (“Eher würde ich Cola light trinken als alkoholfreies Bier”).

Genau so gibt es auch Prinzipien was mein Konsumverhalten angeht: Blusen kaufe ich aus Überzeugung bei Benetton. Und genau so gibt es Sachen, die ich eben nicht konsumiere: gefälschte Designerstücke, pflanzliche Drogen, Burberry Schals oder Longch…
Ah, Stop. Longchamp Taschen. Was halten wir davon? Es ist das perfekte Accessoire für die Ralph-Lauren-Blüschen-Trägerin, wozu sie standardmäßig eine Tommy Hilfiger Jeans und Segellatschen oder Timberlands kombiniert und natürlich Perlenohrringe. Wahlweise findet man diese kleinen BWLerinnen oder Juristen-Girlies auch mit hochgeschlagenem Kragen ihres Polo-Shirts, das dann eben farblich zu angesprochener Handtasche gewählt wird.

Darum kaufe ich keine Longchamp Tasche. Weil ich eben auch mit dem Rest nichts zu tun habe und es somit ein unfertiges, ja unperfektes Bild gäbe.

Bis zu einem verheerenden Tag in Hamburg, im Alsterhaus.

Sie ist groß, rot und schön. Einfach so. Ohne viel Schnick Schnack. Sie ist einfach nur da. Und ich will sie. Doch mein Kopf schlägt Alarm. Was tun?

Auf der einen Seite könnte dieses Produkt imageschädigend sein, denn auch so wurde ich unterwegs schon angesprochen, ob ich BWL oder Jura studiere und nur meine “tote Discokugel” (meine silberfarbende Paillettentasche) wurde sofort als Indiz gegen beides anerkannt.

Ich kann sie nicht kaufen.

Aber sie ist schön und rot. Darum sollte ich sie kaufen.

Irgendwann merkte ich, dass es genau so plämpläm wäre, wenn ich das begehrte Stück wegen seines Labels stehen lasse, wie eine Tasche aus nur genau diesem Grund zu kaufen.

Es wäre doch ehrlich dusselig, einem Prinzip treu zu blieben, wenn… also wenn… wenn die Tasche rot und schön ist. Und man sie sogar mit zur Uni nehmen kann.

Ja, sie wurde gekauft. Und ja, als ich sie meiner Mutter später zeigte, sagte sie plötzlich irgendwas mit Perlenohrringen. Und ja, Perlenohrringe fallen nun aus Prinzip schon weg.

Nach dem ersten Rundgang über die Schanze und den Kiez, hat die Tasche auch am 2. Tag die ersten Flecken abbekommen.

Und auch, wenn so das eine Bild nicht perfekt ist, ein anderes ist es auf jeden Fall.

Also bleibt ja im Prinzip doch alles beim Alten.

3 Comments Add yours

  1. felisworld says:

    Und schön wars! : )

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