Im Internet wäre das anders

Es ist das, was jeder Online-Flirt-Plattform-Mensch sagt, was bewiesen ist und was auch Sinn ergibt. Diese blöde Online-Offenheit oder eigentlich eher diese blöde Offline-Verschlossenheit.

Es passiert zwischendurch in meiner Twitter-Timeline oder in der Wohnheimküche, dass ich von dem “Hottie aus der Uni” erzähle. “Hottie” ist eigentlich relativ, es ist halt nur irgendwie ein interessanter Typ. Jedenfalls.

Er studiert (natürlich) auch in der Szenestadt Siegen und hat irgendwas mit der Uni zu tun, ich habe ihn auf irgendeiner Veranstaltung mal gesehen, irgendwann letztes Semester.

Dieses Semester sehe ich ihn ständig: Auf fast jeder Party, fast täglich auf der Campuswiese, in der Cafeteria und gestern dann auch am Weiher.
Und ja, mal mit und mal ohne Freundin, was an dieser Stelle allerdings zweitrangig ist, da ich gar nicht auf so etwas hinaus möchte.

Jedenfalls schwamm ich gestern so durchs Wasser, seh “Hottie aus der Uni” und finde die Situation bescheuert. Ich kann nicht mal winken oder vorbeischwimmen und einen Moment Smalltalk halten, wie’s denn so geht und was abends noch so ansteht. Nichts. Denn: Man kennt sich ja nicht.

Im Internet wäre das anders. Natürlich würde ich ihn nicht einfach auf Facebook adden, aber würde ich ihm auf Twitter folgen, hätte man wohl schon häufiger festgestellt, dass man sich gerade an dem gleichen Ort oder bei der gleichen Sache befindet, man hätte einen lari-fari Tweet hinschicken können und hätte somit zumindest einen Funken “Kontakt” hergestellt. Ein einfaches “Ach? Auch hier? Freibad-Fritten um 15 Uhr?” oder “Seid ihr genug für ein Beachvolleyball-Match?” und es würde für gewöhnlich was zurückkommen. (Für alle, die an meiner mannschaftssportlichen Äußerung zweifeln: Tatsächlich ist Volleyball der einzige Sport, den ich gerne im Team spiele.)

Aber hier, im sogenannten “Real Life” kann ich das nicht machen. Mal ehrlich: Wer von Euch schwimmt zu dem Typen rüber, winkt wild und ruft “Hallo! Ich bin’s, die aus’m 2. Semester! Kennse mich nicht???” Und macht jetzt hier nicht einen auf mutig, das glaubt Euch keiner.

Vielleicht wäre es ein bisschen anders, wenn es nicht auch das alte Spiel wäre: Ich bin das i-Dötzchen und der dort ist aus der 4. Klasse. Und obwohl ich fast nichts zu verlieren habe, da ich ja nächstes Semester auf mysteriöse Weise abtauche, werde alleine weil man sich überall sieht, nicht dahin latschen. Vorallem wird seine Freundin denken, ich hätte nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Nein, so etwas macht man nicht.
Viele Grüße aus dem Internet, interessanter Unbekannter.

6 Comments Add yours

  1. Jens says:

    Die Welt ist ja manchmal kleiner als man denkt, sowohl online, als auch offline. Vielleicht ließt er das hier irgendwie 🙂

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    1. felisworld says:

      Da, gerade, schon wieder. Auf offener Straße entgegengelaufen und keine Reaktion. Er mit Musik in den Ohren, ich den Blick aufm Mobiltelefondisplay. Und selbst wenn er sich ins www und danach auf mein Blog verlaufen würde, er würde weder sich noch mich erkennen. Naja. ; )

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      1. Jens says:

        Mh, also musst du wohl doch im real life mal die “anstupsen”- Initiative ergreifen 🙂

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      2. felisworld says:

        Ich werde demnächst seinen Hintern via Post-it taggen!; )

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  2. silentdan says:

    gut beobachtet, geht mir genauso. klar ist man nicht auf den Mund gefallen, aber Online ist immer schon einfacher als Offline 😉

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    1. felisworld says:

      UPDATE: “Hottie aus der Uni” stand an der Kasse hinter mir, habe ihn angesprochen, war nett. Ich bin ja so mutig. ; )

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