K.I.S.S.

Amerika, Du Land der aufgesetzten Freundlichkeit und der unbegrenzten Möglichkeiten.

Das Zwischenmenschliche läuft hier anders. Hier gibt es kein “Herr und Frau Johnson”, hier heißt es einfach “Maggi” und “Jack”, “John” oder whatever. Außer meinen Dozenten sprechen ich jeden hier mit Vornamen an. Nicht weil ich’s kann, sondern weil es so ist.

“Hey, how are you doing?” wird hier stets freundlich statt einem gelangweilten und genervten “Moin. Was darfs sein?” gefragt, sobald man irgendeinen Laden betritt. Egal, ob man bei Starbucks seinen Kaffee bestellt oder bei American Eagle reinläuft.

Natürlich interessiert es die Leute nicht wirklich, aber es ist irgendwie putzig. Die gleiche Frage wird einem auch noch mal an der Kasse gestellt, wenn man mit 20 Teilen dort anläuft und auch in jedem Restaurant, wenn man einen Tisch ordert und dann noch mal wenn man sitzt.

Ja, immer freundlich sein.

So habe ich es auch gelernt, vor allem Kunden und Kollegen gegenüber. “Guten Tag Herr/Frau sowieso, ich hoffe, Sie hatten ein schönes Wochenende.” bla bla bla. So würde eine Montagmorgenemail anfangen, bevor man zu der Deadline kommt, die letzten Freitag war. Dekorationsschreiben also. Unnötig, aber ich wollte ja immer “nett” sein. Weil das ja wichtig ist.

Lassen. Einfach nicht machen.

Das wurde letzte Woche in meinem Business Communication Kurs diskutiert.

Nicht nur, dass das ganze freundliche bla bla bla angstrengend ist, Zeit kostet und Energie, nein, auch dem Gegenüber wird Zeit geklaut. Darum gilt hier, zum Beispiel auch für die Kommunikation mit den Dozenten: K.I.S.S.
Keep it short & simple.

Ich habe in Deutschland manchmal die nettesten Emails mit “Hi, ok. Bitte in die PPT einbauen.” beantwortet bekommen.

Was ist los?

Kann man nicht mal nen bisschen was nettes schreiben?

Nein. Könnte man, aber wieso sollte man? Noch dazu, wenn man gefühlte 5.000 Emails beantworten muss.

Schreibt man Freunden, nimmt man sich Zeit, überlegt sich, was man fragt und was man schreibt, welches Gefühl und welche Gedanken man mitschickt. Schreibt man eine Geschäftsemail sollte man zwar die Standards der Höflilchkeit wahren, aber man schreibt um Probleme zu lösen und nicht, um eine Freundin zu trösten, die gerade abserviert wurde.

Ja, K.I.S.S.

Oder wie man es in Deutschland machen würde: Küsschen links, Küsschen rechts. Einmal reicht ja nicht, lieber auf beide Seiten ein Bussi. Als Zeichen der Freundschaft.

2 Comments Add yours

  1. Ich habe schon häufig von Amerikanern geschäftliche E-Mails a la „thx, pls update keynote”erhalten. Ohne Tamtam.

    Bei meiner geschäftlichen Korrespondenz war es eigentlich immer so, daß die erste Mail sehr freundlich (und wie „how are you”) begann. Ab der zweiten dann „just the facts, man”.

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  2. felisworld says:

    way to go.

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