24. irgendwas

Es kann unmöglich Weihnachten sein.

Das geht gar nicht.

So wenig wie dieses Jahr war ich wohl noch nie in Stimmung. Aber sitze ich dieses Jahr auch in Kalifornien.

Mit meiner Familie habe ich schon geskypt und mit ein paar Freunden auch.
Alle sagen erst einmal das gleiche: Es schneit. Und es hört nicht auf.

Das ist hier anders. Hier scheint die Sonne, 15 Grad. In meiner Bude steht kein Tannenbaum, aber in der meiner Freunde, mit denen ich heute Abend feiern werde, schon. Heute, also am 24.12. Ist ja klar. Wir sind ja Deutsche. Aus Plastik. Ist ja auch klar. Wir sind ja in Amerika.

Mit Beck’s, ohne Glühwein.

24.12.

Es ist wirklich schon wieder so weit.

Und das fiel mir erst auf, als ich überlegte, was heute vor einem Jahr war.

Richtig! Da war auch der 24.12.

Aber letztes Jahr war ich ausnahmsweise Mal zu Hause.

Da war es auch unverschämt kalt, ich kam aus Siegen und war eigentlich nur zu einem Zwischenstopp da, um nach den Weihnachtstagen nach Hamburg zu fahren.

Das war irgendwie Weihnachten. Also so wie man es sich vorstellt.

Zum ersten Mal seit Jahren mit einem Weihnachtsbaum, mit meiner Familie, mit Geschenken und nicht mit einem Überweisungsträger.

Das, was vor 10 Jahren noch “Musst Du JETZT telefonieren?”, “Du willst doch Weihnachten keine Jeans anziehen!”, “Kaugummi raus!” und “Doch, wir gehen ALLE in die Messe.”  (jaja, ich war auch ein ganz einfacher Teenager…) war, war letztes Jahr “Feli, leg das Ding bitte aus der Hand.”

“Das Ding” war mein Telefon. Klar.

Denn wenn man 364 Tage im Jahr mit dem Gerät aufwacht, den Tag verbringt und einschläft, fällt es verhältnismäßig schwer, es an einem Tag, an dem eh schon nicht so ungeheuer viel passiert, aus der Hand zu legen.

Allerdings höre ich den Satz auch so ständig. Nicht nur von meiner Familie, auch von Freunden oder Dozenten. Aber gut, lassen wir das mal weg, darum soll es ja heute, an Weihnachten(!), nicht gehen.

2009 verbrachte ich Weihnachten in Savannah, Georgia, und da hatten wir Heiligabend auch 25 Grad.

Wenn ich darüber nachdenke, ist dieses Weihnachten doch so wie jedes andere. Ich bin nicht zu Hause, nicht genervt, mir fällt nicht die Decke auf den Kopf, ich kann mich einfach so freuen. Über das Weihnachtsgespräch, darüber, dass ich meine Familie wenigstens einmal zusammen gesehen habe, wenn auch nur am Bildschirm.

Und so feiere ich nicht mit meiner Familie, die es endlich mal an einen Tisch gebracht hat, sondern mit meinen Freunden, die ich gestern gesehen habe und die ich morgen sehen werde.

Obwohl mir durchaus bewusst ist, dass der Tag kommen wird, an dem ich Weihnachten wieder zu Hause sein will. Aber “Weihnachten” muss jetzt auch nicht der 24.12. sein. Es muss nicht gezwungen an diesem einen Tag sein. Es kann ein Tag im April, Mai oder Juni oder sonst wann sein, um alle an einen Tisch zu kriegen, auf freiwilliger Basis, ohne Zwang, ohne Geschenke jagen, ohne Tannenbaum.

Und ja, ich weiß auch, dass ich irgendwann Weihnachten an sich wieder als Familienfest anerkennen werde. Spätestens dann, wenn wir alle so weit voneinander getrennt wohnen, dass wir für ein Wochenende zu Hause Urlaub nehmen müssen.

Bis dahin feiere ich das Tannenbaumfest irgendwo anders und sehe ich meine Familie, wenn ich es für richtig halte.

Und auf so einen Tag freue ich mich auch mal wieder.  Auf so ein richtig frohes Fest.

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