Zeitverbrennung.

Du verbrennst Deine Zeit, sagen sie. 

Weil ich nicht von Montag bis Freitag von früh bis spät am Schreibtisch in einem Büro sitze, weil ich lieber unter der Woche abends vor die Tür gehe als am Wochenende, weil ich versuche eine „Ich arbeite nicht vor halb 10 und nicht bei über 26 Grad” Regel zu integrieren.

Du verbrennst Deine Zeit, sagen sie. Und meinen damit, dass ich nicht produktiv bin.

Aber was heißt denn „produktiv sein”? Es heißt doch sowas wie etwas sinnvolles machen, das zu einem Ergebnis führt. 

Ich habe die letzten Monate keine Texte mehr geschrieben. Gearbeitet habe ich trotzdem, aber in einem anderen Bereich. Und da war ich auch produktiv. Aber eben nur dort. Andere Sachen, wie zum Beispiel Texte schreiben, habe ich dagegen vernachlässigt.

Interessant ist bloß, dass Leute mir sagen, „Du arbeitest ja richtig”, wenn ich mal eine Woche im Büro verbringe. Das wird dann als produktiv sein gewertet. Dabei ist das doch nur ein Ort und nicht ein Produktivitäts-KPI.

Vielleicht weil ich Freie bin, vielleicht weil ich immer von überall aus meine Arbeit abliefere, vielleicht weil ich anders ticke, aber in meinen Augen verbrenne ich meine Zeit nicht. Und ich verbrenne auch mein Geld nicht. Ich nutze meine Rescourcen nur anders.

Weder lesen, noch malen, noch am Tresen eskalieren, noch schlafen würde ich als Zeit verbrennen werten.

Ich muss nicht im Büro stehen, um nachzudenken. Ich sortiere meine Gedanken in den bunten Herbstblättern, auf dem Weg nach Hamburg oder zurück, schmiede Ideen und Pläne auf dem Fahrrad. Und manchmal ist auch ein Büro genau der richtige Ort um Sachen zu schaffen, weil man da die richtigen Leute und die richtigen Voraussetzungen (Schreibtisch, Internet, Whiteboard, usw) hat. „Du sollst nicht vom Bett aus arbeiten” sagen die einen, die anderen sagen, man soll nicht auf dem Schreibtisch schlafen.

Aber warum, wenn es sich gerade richtig anfühlt?

Das muss vermutlich jeder für sich rausfinden und ich glaube, das hab ich jetzt für mich getan.

Wenn ich Hunger habe, esse ich, wenn ich Durst habe, trinke ich. Wenn ich müde bin, schlafe ich und wenn ich was auf dem Herzen habe, schreibe ich. Machmal auch nicht. Manchmal schreibe ich auch, wenn ich meine Miete bezahlen muss, manchmal trinke ich auch, obwohl ich keinen Durst habe, manchmal muss man Rescourcen auf andere Schwerpunkte und Projekte umschieben.

Zeitverbrennen gibt es nicht, weil alles irgendeinen Sinn ergibt und sich am Ende auch auszahlt. Und wenn es nur für die Erkenntnis ist, dass es sich nicht gelohnt hat.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s