Ich weiß es doch auch nicht.

Menschen haben Fragen. Immer. Irgendwas. Oder jedenfalls sollte man welche haben. Find ich. Antworten wären auch gut, vielleicht.

Früher waren es die Eltern, die als alles wissende Instanz Rede und Antwort standen oder im Zweifelsfall Hoffnung gemacht haben. Ein „Das wird schon…”, wenn man weder wusste ob, noch was es wird. Ein „Das zeigt sich mit der Zeit” oder irgendeine andere Floskel, wenn man mal nicht wusste, was man sagen sollte.

Aber in Regel gab es erklärende Antworten. Und dann kam die Zeit, in der die Eltern anfingen Antworten suchen beizubringen. Also zum einen Sachen selbst auszuprobieren, zum anderen irgendwas aufzumalen oder zu zeigen und zu erklären, und zu guter Letzt: der 24 Bände starke Brockhaus unterm Weihnachtsbaum. Wir Kinder so „Hm”. Dann kam noch das Internet und Onkel Google und wir sind älter geworden und haben andere Fragen zu anderen Themen, die unsere Eltern nicht mehr beantworten können.

Aber eigentlich interessieren Wer, Wie, Was Fragen gar nicht mehr so sehr. Stattdessen interessiert uns je nach Lebenslage eigentlich Wer mit Wem und Warum eher. Und vielleicht die Frage danach, wie es weiter geht. Oder weiter gehen soll.

Ich würde es nicht Zukunftsangst nennen, auch nicht Unsicherheit. Und ich weiß nicht, ob es ein neues Phänomen ist oder ob es vielleicht schon immer so war. Ich meine, wie soll ich denn sagen „Früher war das nicht so!”, wenn ich früher nicht gelebt habe und Erwachsene heute vielleicht nicht mehr so genau wissen, ob sie sich die gleichen Fragen früher auch gestellt haben. Fakt ist nur, dass die Erwachsenen größtenteils ihr Ding gefunden haben. Wir haben nicht mit unseren Eltern gequatscht, als sie überlegten ihre Ausbildung oder ihr Studium zu schmeißen, sich beruflich zu verändern, einfach alles zu lassen, weil wir zu der Zeit einfach noch nicht da waren. Und selbst wenn wir (Kinder) da gewesen wären, hätten die Erwachsenen es unter sich aus gemacht, um die Minis nicht zu verwirren oder zu verunsichern. Jetzt sind wir Minis halb erwachsen, also jedenfalls alterstechnisch, und erzählen unseren Eltern auch nicht immer von unseren Fragen, einfach, um sie nicht zu verunsichern. Sie sollen sich nicht um uns sorgen, wir kriegen das schon hin.

Früher dachte ich, dass ich mit 25 wissen würde, wie Dinge im Leben so funktionieren und was die Welt zusammenhält. Jetzt, mit 29 3/4, glaub ich, ein paar Sachen verstanden zu haben. Dazu zählt primär die Einsicht, dass man nie wirklich alles versteht. Dass die Fragen über Liebe und Glücklich sein, die Selbstzweifel, und all das nie aufhören. Hab ich alles, aber auch alles richtig gemacht? Oder doch nur richtig falsch? Soll ich in meinem Leben die erste Geige spielen oder andere? Macht mich andere glücklich machen glücklicher als mich selbst glücklich zu machen?

Es sind interessanter Weise die Fragen, die man beredet, wenn man richtig schön einen sitzen hat. Und witziger und trauriger Weise zu gleich, begeben wir uns immer und immer wieder auf die Schatzsuche nach den Antworten, weil wir die Quintessenz, die wir nach stundenlangen Debatten und etlicher Flaschen Wein, Bier und Schnaps für absolutes Gold hielten, am nächsten Morgen vergessen haben.

Ich für mich habe allgemein gültige Antworten aufgegeben. Das Leben ist keine mathematische Formel, die so passt und so funktioniert. Vielleicht suchen wir allgemein gültige Antworten, weil wir faul sind oder weil sie uns Sicherheit geben. Aber am Ende ist jede etwas größere Antwort von so vielen Faktoren (Persönlichkeit, Zeitpunkt, Ort, Herz, Kopf, Geld, Haben wollen vs. Haben sollen,…) abhängig, dass es geradezu überheblich wäre, eine Antwort als richtig und alle anderen als falsch zu sehen.

Es ist auch nicht immer einfach diese Fragen mit sich rumzuschleppen. Finde ich. Manchmal ist es aber auch gut. Oder schön.Vielleicht sind es die Fragen und nicht die Antworten, die uns alle zusammenhalten.

Ich weiß es doch auch nicht. Ich weiß aber auch nicht, ob nicht weiter danach suchen besser ist als sich eine Antwort auf jede Frage rauszupicken. Das Abwegen, Debattieren, Diskutieren ist eigentlich das, was mich immer ein Stückchen weiter bringt.

 

 

 

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