Und dann ist Karneval und Du bist in Berlin

Seit Jahren fahre ich an Karneval nicht mehr in die Heimat nach Düsseldorf. Einmal hatte ich es versucht und bin aus Hamburg zurück nach NRW gefahren. Mit Kostüm im Gepäck, Konfetti in den Taschen und Schnäpschen im Blut kam ich trotzdem irgendwie nicht in Stimmung – obwohl ich de janze Jecken eigentlich liebe.

Aber jetzt war Karneval und ich war in Berlin. Eine alte Schulfreundin erzählte was von einer Party in der Kulturbrauerei. Na komm. Lichterkette in den Tütü-Rock gebaut, Haare hoch gemacht, Federboa um, noch ein bisschen Glitzerglitzer hier und da und los. Und wenn es blöd wird, kann man ja einfach wieder gehen.

Blöd war es aber nicht. Es war alles andere. Es war ein Event in Berlin, das kein Berliner Event war, wie ich es sonst kenne.

Kein „Woher kommst Du?”, kein „In welchem Stadtteil wohnst Du?” und „Ach? Und was zahlst Du da?”
Kein „Was machst Du denn beruflich?” – denn das wusste man ja: Polizei, Piloten, Kätzchen – alles da. Keiner fragt nach Deiner Karte und erzählt was von einem Follow-up Call am nächsten Tag – denn sind wir mal ehrlich: Den gibt es an Karneval nicht.

Kein Gin Tonic – „Welcher Gin? Wir haben drei hier stehen und noch zwei Lokale. Und welches Tonic Wasser? Die Liste ist im Drinks Menu vor den Kaffeespezialitäten”, kein „Oh my god! ARE. YOU. SERIOUS??”.

Stattdessen Kölsch. Den ganzen Abend. Und Musik. Ohne Izz izz, sondern Nur Nicht Aus Liebe Weinen oder irgendwas, was man fast nicht versteht, wenn man nicht mal ein paar Jahre am Rhein gewohnt hat. Schön geschminkt und perfekt verkleidet liefen Männer in Frauenkleidern, Hutmacher aus Alice In Wonderland, Marry Poppins, Katzen und alles was das Herz begehrt, singend durch die Säle.

Es war nicht das Karneval, an das viele denken, die noch nie dabei waren: Keine besoffenen Kids, die sich mit Vodka ins Aus geschossen haben, keine zu jungen oder zu alten Mädchen, die den Rock gegen einen Gürtel getauscht haben und mit einem Ausschnitt bis zum Bauchnabel versuchten die willenlose Männerschaft aufzureißen.

Nein. Es war einfach ein ganz wunderbar lustiger, schöner Abend, der mich daran erinnert hat, was ich an Düsseldorf oder dem Rheinland oder vielleicht auch nur am Karneval so liebe. Ich kann auch verstehen, dass man es nicht verstehen kann, aber da war ein Stück heimatliche Wärme in einem Raum voller Fremder.

Ich liebe Berlin noch viel mehr. Meine Stadt soll auf gar keinen Fall anders sein – wenn ich Düsseldorf will, kann ich nach Düsseldorf ziehen. Es ist auch gar kein „wat wor dat dann fröher en superjeile Zick”. Aber für einen Abend war es schön, mit Rheinländern und anderen Faschings- und Karnevalliebhabern die Hauptstadt im Kopf zu verlassen.

Um danach in die Berliner Altbauwohnung mit Berliner Mietpreis zurückzukehren, am nächsten Tag konfettilos ins Büro zu fahren, in Calls zu hängen und irgendwann ein “Oh my God, Are. You. Serious?” einzubauen und mich für Gin Tonics zu verabreden.

Ach, wunderbare Welt. Dank Kölsch übrigens ganz ohne Kopfschmerzen!

Leben, ich bin so verliebt in Dich!

 

Helau und Alaaf, Berlin! Ich freue mich auf nächstes Jahr!

 

 

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  1. Trotzendorff says:

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