Endlich 30.

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Ich bin jetzt 30. Und es hat gar nicht weh getan.

„Feli, Du wirst alt.”

Sagten sie. Seit Jahren. Und ja, so ist das. Jeden Tag und bei Jedem von uns. Viel schlimmer wäre es, wenn ich jeden Tag jünger werden würde.

„Feli, wirst Du jetzt erwachsen?”

Fragten sie. Als sie die neue Wohnung sahen. Nein. Also. Ja. Aber das kommt von alleine. Das hat nichts mit dem Alter direkt zu tun. Erwachsen sein heißt, dass man sich endlich alles kaufen kann, was man schon immer haben wollte, endlich alles machen kann, was man sich schon immer gewünscht hat. In den letzten Jahren habe ich festgestellt, dass ich möglichst viel von den Dingen machen möchte, die ich mag. Und möglichst wenig von den Dingen, die ich nicht mag.

Zack, olé, fertig. So ist das, wenn man erwachsen wird.

„Feli, wie sieht’s aus mit Kindern?”

„Mit 30 baut man ein Haus, kriegt man Kinder und sorgt sich um die Rente.” –– Kam per SMS. Ja. Ehrlich. Ich werde in den nächsten fünf Jahren kein Haus bauen und geplant sind auch keine Kinder. Rente… Ja, ok. Da könnte ich mich demnächst mal drum kümmern. Das Schöne ist, dass man mit 30 an dem Punkt ist, an dem man einsieht, dass Jeder und alles immer anders ist. Es gibt NIE nur diese eine Lösung, die für alle gleichermaßen richtig ist oder zählt. Ich finde Kinder klasse, aber ich finde es auch ok, erstmal keine eigenen zu haben.

„Feli, wie kannst Du so leben?”

Ja, ich gehe nicht jeden Tag ins Büro. Auf meinem Grabstein wird nicht stehen: „Feli hat schnell viel Kohle reingeholt”. Ich setze andere Schwerpunkte. Geld kann man klauen, Zeit auch. Ich arbeite gerne, so ist es nicht. Aber ich habe auch eingesehen, dass ich die Welt nicht grundlegend verändern werde. Ich werde keine Merkel, kein Zuckerberg, kein Beethoven. Und damit kann ich leben. Ich muss nicht vor Dir oder vor irgendwem sonst abliefern – nur vor mir selbst. Ich möchte nicht noch mal für eine Alkoholmarke in ein Briefing für Digitale Kommunikationskonzepte gezogen werden, ich möchte niemals für Zigaretten Werbung machen und ich möchte mich auch nicht mehr von Startups in Interviews verarschen lassen.
Ich möchte mir meine Projekte und Texte aussuchen. Dass ich damit nicht reich werde, nicht auf der Titelseite von w&v, unter den ‘ 40 under 40’ bei Forbes landen werde und mich niemals für die Bild-Titelseite frei machen werde ist eben so.

Wie ich damit leben kann? Ganz gut.

Ich kann morgens und abends in den Spiegel sehen und bin mit mir (grundsätzlich) zufrieden.

„Feli, Du musst langsam abnehmen. Das wird nur schwieriger.”

Jaja. Ich kümmere mich drum…

„Feli, Du hast schon ein Drittel Deines Lebens hinter Dir.”

Wenn alles schief geht und ich morgen früh nicht aufwache, habe ich sogar nicht nur 1/3 sondern alles hinter mir. Ich weiß, dass ich nicht jünger werde und meine Haut nicht straffer. Aber für kein Geld der Welt würde ich zurück in meine Teenagerjahre und die Zwanziger gehen. Nicht, weil es scheiße war. Aber ich habe meine Lektionen gelernt und darum bin ich da wo ich jetzt bin. Und da wo ich jetzt bin, bin ich gerne.

„Und was machst Du jetzt?”

Weiterleben. Weiterlernen. Weitergeben. So viel wie möglich. In ein paar Jahren wird alles so ähnlich oder vielleicht ganz anders sein. Eigentlich wäre ich sehr traurig, wenn alles so bliebe wie jetzt. Denn es geht weiter, immer weiter. Es wird besser, immer besser.

„Und was zählt?”

Fast alles. Weil ich versuche, alles, was egal ist aus meinem Leben rauszuhalten. Oder manchmal mehr auf “Ganz oder Gar nicht” zu setzen. Aber es ist alles nicht schwarz und weiß. Die Abende, die man zu weit auf dem Sofa sitzt und über alles diskutiert sind genau so ausschlaggebend wie die Abende, an denen man sich mit Gin Tonic, Tequila und billigem Wein durch die Straßen säuft und die –in dem Zustand- WICHTIGSTEN Gespräche EVER, EVER, EVER EVER führt, mit Menschen, die man danach nie wieder sieht.

Nur das eine bringt einen nicht weiter, nur das andere auch nicht.

„Feli, kann es sein, dass Du einfach alles hinnimmst?”

Mmmmm. Weiß ich nicht. Ich versuche nur, das, was ich definitiv nicht ändern kann, zu akzeptieren und damit zu leben. Er liebt mich nicht, er liebt eine andere. Das geht nicht spurlos an mir vorbei, aber das ist ein Zustand, den ich nicht ändern kann. Das wird sich nicht ändern, wenn ich dünner werde, mehr oder weniger online abliefere, einen anderen Job anfange oder Nägel anders lackiere. Denn die Basis ändert sich nicht. Das sind Sachen, die muss ich dann eben irgendwann akzeptieren. So wie meine Wohnung keinen Stuck hat. Soll ich mich darüber ärgern oder mich lieber über Dielen, Spülmaschine, Aufzug und Balkon freuen?

Ich denke, die Antwort ist klar.

„Schluss mit den schönen Worten, Feli. Jetzt wo Du 30 bist, was machst Du denn jetzt Interessantes?”

Was denkst Du denn? Dass ich mir Jahre lang alles für jetzt aufgespart habe? Dass ich jetzt erst anfange richtig zu leben? Intensiver lebe? Hahahahaha!! Hahahahahaha!!! Hahahahahahahaha! Nein. Ich würde sagen, ich habe nie vor irgendwas Halt gemacht. Und das habe ich auch jetzt nicht vor.

Es legt sich doch von heute auf morgen kein Schalter um. Dass ich jetzt nicht noch mal eine Ausbildung und ein Studium abschließen werden, nicht noch mal ein Semester in San Francisco studieren werde, mich nicht wieder selbstständig machen werde (weil ich es ja schon bin), liegt wohl auf der Hand.

Was mit 30 kam, werden wir mit 40 sehen.

In diesem Sinne, viele Grüße und bis dann!

 

 

 

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