Keinen Bock auf being a local

„Urlaub” war die Ansage. Wohin war die Frage.

Frankreich, Spanien, Italien,… Ja, die üblichen Verdächtigen. Langes hin und her, Flüge, Wohnungen usw…

Am Ende landeten wir in Spanien.

Wenn man so will, machten wir Urlaub wie alte Leute oder wie man es früher gemacht hat.

Wir hatten keinen Bock auf “living like a local”, keinen Bock auf individuell, keinen Bock auf „Mal was anderes!”, hin- und herschreiben, Schlüsselübergabe, nett sein, aufräumen bevor wir gehen, keinen Bock uns nachher bewerten zu lassen – kurz: keinen Bock auf ein Airbnb, 9flats, wimdu oder wie man es nennen möchte.

Wir haben Geld für eine Unterkunft und eine Dienstleistung bezahlt und das in Anspruch genommen.
Ja, genau: ein Hotel. Mit Pool. Mit Frühstücksbuffet. In Strandnähe. Mit Shuttle vom Flughafen.

Was uns besonders freute: Neben dem Schlafzimmer gab es noch ein Wohnzimmer mit Kochnische und Kühlschrank und Blick auf die Gewässer (Chlor- und Salzwasser).

Das Frühstück war scheiße. Kann man nicht anders sagen. Gleich am ersten Tag haben uns mit Brot, Käse und Co. eingedeckt und jeden Morgen auf unserem Balkon gefrühstückt während wir anderen Hotelgästen beim Handtuch-Liege-reservieren-Vorgang zusahen.

Und hier die dreckige Wahrheit über meinen Urlaub:

In sieben Tagen habe ich nicht ein einziges Mal selber mein Bett gemacht, allerdings aber einmal abgespült. Gesaugt oder gewischt habe ich eine Woche lang gar nicht. Wir haben unsere Handtücher am letzten Tag mit an den Pool genommen und da liegengelassen. Wir haben zu Fuß die paar Strände drumherum abgegrast, in irgendwelchen Supermärkten manchmal Obst eingekauft oder manchmal auch einfach mittags Fritten an einer Strandbude genascht. Abends waren wir irgendwo essen oder haben selbst was gekocht. Außer „Hola!” kann ich auf Spanisch auch zwei Bier bestellen und Danke sagen – hört sich wie ein peinlicher Touri am Ballermann an, vor allen Dingen wenn man bedenkt, dass man sich in der Schule zwei Jahre Zeit genommen hat, mir Spanisch beizubringen. Tatsächlich aber habe ich im Urlaub so wenig getrunken und so viel geschlafen wie schon lange nicht mehr. However, ich hab das mit dem Spanisch direkt gelassen. Wie peinlich ist das denn, da vor den spanischen Mitarbeitern rumzuspacken, wenn sie Dir am Ende eh auf Englisch antworten?

Für eine Woche war es genau das, was ich brauchte. Wir haben am letzten Tag einen Zettel ausgefüllt, der uns fragte, wie wir alles fanden. Haben gelobt, was zu loben war, kritisiert (nur das Essen), was zu kritisieren war.

Wir sind nach Hause gekommen und niemand hat uns ge- oder bewertet. Niemand hat geschrieben, wie wir unser Zimmer hinterlassen haben (normaler Zustand aber jetzt nicht extra die Betten abgezogen um in Punkto Ordnung noch mal ein extra Sternchen zu kassieren), ob wir nett waren, wie die Kommunikation mit uns so war.

Kein Sharing, kein Caring, einfach nur Urlaub.

Wir kamen als Touristen, lebten wie Touristen, waren auch Touristen und sind jetzt wieder in Berlin, wo wir Locals sind. Home sweet Home.

Im März fliege ich mit der Crew wieder nach Austin zur SXSW. Da werden wir uns das gleiche Haus wie jedes Jahr mieten und das ist auch gut so. Für einen „echten Urlaub” wird ein Hotel allerdings langsam wieder interessant, wenn auch vielleicht das nächste Mal ohne Frühstücksoption.

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