Sein kindle

Ich liebe Sachen. Wenn ich etwas haben möchte, dann schlafe ich in der Regel eine Nacht darüber und dann kaufe ich es.
Ich mag es nicht, Sachen zu leasen oder abzubezahlen.
Ich finde es gut, wenn Sachen mir gehören, ich dafür gearbeitet habe, dass ich sie mir leisten und sie besitzen kann.
Und vielleicht auch das Wissen, dass sie mir keiner wegnehmen kann, wenn ich den Teller nicht aufgegessen habe oder nicht nett zum Chef war.

Und dann erlebe ich jetzt etwas anderes.

Konkret geht es um einen kindle. Ja, genau, die digitale Bib, die ich nie haben wollte, weil ich Papierbücher besser finde.
Ein Freund gab mir seinen kindle, bevor ich vor vier Wochen verreiste. Kannst Du auch noch für die Anschlussreise (eine Woche später) nehmen, hatte er gesagt. Ich hab mich sehr gefreut, denn das Ding erwies sich als sehr nützlich. Und wenn mir seine Bücher nicht gefallen, soll ich ein paar Andere kaufen, hat er hinzugefügt.

Habe ich nicht gemacht. Das, was da zu lesen drauf war, war nicht das, was ich sonst lese – Mord und Totschlag. Das, was da zu lesen drauf war, war lustig und todtraurig.

– Wunderbar.

Als ich vor ein paar Tagen zurückkam, fragte ich, ob ich noch das eine Buch zu Ende lesen könne, bevor ich ihm den kindle zurückgebe. Kann ich.

Jetzt, Sonntag, 13 Uhr, bin ich mit dem Buch durch.

Und halte den kindle in der Hand.
Ich möchte ihn nicht mehr abgeben.
Nicht, weil ich mir keinen eigenen kaufen kann, sondern weil es seiner ist.

Es freut mich irgendwie sehr, dass er mir etwas gegeben (geliehen) hat, worauf er jetzt vier Wochen verzichtete. Ohne Anstalten zu machen. Kein „Wenn der weg ist…“ oder „Wenn da ein Kratzer dran kommt…“.
Ich musste auch nicht danach fragen, hätte ich auch nie gemacht. Es war ein: “Oh! Das ist aber ein langer Flug!! Hier, nimm meinen kindle mit, dann wird es nicht so langweilig.”

Die vier Wochen mit dem kindle waren toll. Weil ich immer was zu lesen hatte und immer an den gedacht habe, der ihn mir gegeben hat. Weil ich die ganze Zeit weg war, aber wusste, dass es Zuhause jemanden gab, der mir eine schöne Zeit wünschte, aber sich auch freute, dass ich demnächst zurückkomme. Nicht nur wegen des kindles.

Ich weiß noch nicht, ob ich mir einen eigenen kindle kaufen werde. Denn eigentlich war das Wertvollste an diesem kindle, dass es nicht meiner, sondern seiner war.

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