Mein Morgen mit Jamie Oliver, Teil 2

Ich werde wach und brauche einen Moment zulange, um festzustellen, wo ich bin. Es ist dunkel, das spricht gegen die Wohnung in Berlin, weil die Vorhänge da schön sind, aber vor allen Dingen schön lichtdurchlässig. Ich muss in Hamburg sein. Seit einem Jahr pendele ich nach Hamburg, weil ich da arbeite. Darum teile ich mir dort mit einem anderen Pendler eine Wohnung.

Scheiße. Ins Büro. Wie spät ist es? 

Ich greife zum Ladegerätkabel, aber mein Telefon ist nicht da.

Schlecht.

Achso.

Samstag.

Trotzdem: Wo ist mein Telefon? 

Bei dem Versuch aufzustehen fällt mir ein, warum alles so ist wie es ist. Gestern war Freitag und wir sind mehr oder weniger mit Ansage in meiner Lieblingsweinbar eskaliert. Also mengenmäßig. Natürlich haben wir uns sonst vorbildlich verhalten…

Blick durchs Wohnzimmer, Badezimmer, durch die Küche, Griff in die Manteltasche – kein Telefon da.

Fuck. Nee, komm. Das kann nicht sein. Das Telefon muss hier irgendwo liegen…

Ich suche alles erneut ab, finde wenigstens im Kühlschrank eine kalte Flasche Sprudelwasser (High Five an meinen Mitbewohner, falls Du das hier liest), die sofort dran glauben muss.

Um das hier abzukürzen: Ich finde mein Telefon 10 Minuten später in meinem Bett.

Damit hat jetzt auch wirklich niemand rechnen können…

Während das Telefon jetzt endlich lädt, schaffe ich den ersten Marathon des Tages: Vom Bett aufs Sofa. Unterwegs – wir reden von einer 2 m Strecke – finde ich meinen Laptop.

Neben Sprudelwasser kann jetzt nur eine Sache helfen: Jamie Oliver.

Und das hat Geschichte: Um genau zu sein war das der Anlass für meinen ersten Blogpost vor 11 Jahren veröffentlicht bei GoToRio. Und wenn ich mir das durchlese, haben sich zu heute Details verändert, aber das Prinzip ist geblieben:

Ich öffne meine Augen. Ich bin zu Hause – sehr gut! Neben meinem Bett liegt meine Handtasche, mein Handy ist aufgeladen, ich fühl mich leicht verkatert und ich weiß: Es ist Samstag! Obwohl ich bis 5 Uhr vor der Tür war, wache ich um halb 10 wieder auf. Ich entscheide mich runter zu gehen, in der Hoffnung auf Essen.

Später an diesem Morgen vor 11 Jahren schalte ich Jamie Oliver an und lasse mich in seine kulinarische Welt ziehen.

Gleiches passiert heute. Jamie erklärt mir, wie man really easy Eggs Benedict macht. Zusammengefasst: Du nimmst eine Schüssel, hitzebeständige durchsichtige Folie (wie heißt das noch mal in richtig? Sorry, is noch früh) rein, Olive oil –is klar–, Eier in das mit Folie eingelegte Schüsselchen schlagen und Folie zuknoten. Das ist kochendes Wasser – fertig!

MAN!

IST

DER

SCHLAU.

Ich gebe den Kampf gegen meinen Körper auf, Aspirin muss her, denn heute Abend geht es weiter. Und Essen muss auch sein. Der Kühlschrank ist nach wie vor leer — manche Dinge ändern sich wohl nie. Ein bisschen Pesto scheint da noch zu sein und oh! Der Mitbewohner (wirklich Danke!!) hat was zu Essen da gelassen. Prinzip Hoffnung hat sich wieder ausgezahlt!

Schinken, Käse, ab in die Pfanne. Öl kann ich mir sparen, weil der Käse ja Fett abgeben wird. Denke ich so. Turns out, dachte ich falsch. Ähnlich schön wie Jamie Oliver ersuche ich die Peperoni zu schneiden – turns out: Kann ich auch nicht so gut.

Screen Shot 2019-10-12 at 2.18.20 PM

Aber Pesto!!

Ah. Auch leer.

screen-shot-2019-10-12-at-2.18.01-pm.png

Achja. Man hätte jetzt auch den Trick mit der durchsichtigen Folie (ich komme heute nicht mehr auf das Wort…) ausprobieren können – egal. 

Noch schnell irgendwas von dem traurigen Basilikumbäumchen abreißen, Eier drauf und Musik an. Vergangenheit von die höchste Eisenbahn. Ach stark, die Live Version auch gleich.

Bester Text. 

Zurück in der Küche feiere ich kurz mein fast-instagramfähiges Essen.

Um dann, jetzt habe ich den Höhepunkt natürlich schon vorweggenommen, festzustellen, dass das mit dem Käse und ohne Fett ne dumme Idee war…

Screen Shot 2019-10-12 at 2.17.44 PM

Ja. Fehli. Hätte Jamie Oliver auch passieren können  – HAHA! HAHAHA! HAHAHAHA!! Nein. Und das ist auch kein Problem. Denn während wir uns erst seit ungefähr 11 Jahren und ein bisschen kennen, schaue ich jetzt zu, wie er das 20jährige Bestehen seines ersten Kochbuchs feiert. Er trägt das gleiche Hemd wie auf dem Cover von damals – nur dass es heute nicht mehr zu geht. Darum trägt er es offen.

Hihihi!

Naja. Als ob mir noch was von vor 10 Jahren passen würde… 

Die Aspirin tut langsam ihr Wunderwerk. Innerlich feiere ich unser Zeitalter. Denn einen eigenen Fernseher habe ich nicht und das Glück, das mir RTL 2 damals bescherte als sie Jamie Oliver wieder ins Programm geholt haben, hätte ich heute nicht mehr. YouTube, wir beide werden heute viel Zeit zusammen verbringen.

Ob die Macher von Jamie Oliver wissen, dass hier jemand sitzt, der nicht kochen kann und eine Folge nach der anderen nur guckt, weil… Ja. Warum eigentlich? Es ist wirklich so wie früher: Jamie lässt einen an Tagen wie diesen weniger alleine sein. Er judged mich auch nicht für alles, was ich gestern Abend gemacht oder nicht gemacht habe.

Jamie Oliver nimmt mich (und alle anderen in diesem Zustand) in der Küche verbal in den Arm.

Denn wer richtig gut zwischen den Zeilen lesen kann – und das kann ich natürlich! – liest in den 4 Minuten YouTube Videos von Jamie ein klares:

“Feli, Du kannst nicht kochen und das ist nicht schlimm. Denn das kann ich. Ich zeig Dir das, aber ich verurteile Dich nicht dafür, dass Du das nicht kannst. Ach? Das hier war zu kniffelig? Guck mal, dann machen wir jetzt dies und das. Auch zu kniffelig? Du liegst da aber gemütlich auf dem Sofa. Kein Ding, Liebes, ich zeig Dir noch was und noch was und noch was. Bis die bestellte Pizza da ist und selbst dann mache ich für Dich weiter. Obwohl Du es nie nie nie nie niemals ausprobieren oder hinkriegen wirst. NIE. In meiner unperfekten nicht-instagram Küche, mit meinen komischen Frisuren und meinem vermutlich mindestens 10 Personen starkem Kamera- und Marketingteam. Aber Feli, das ist keine Arbeit für mich, nein, ich mach das hier gerne und nur, damit es Dir samstags morgens irgendwann besser geht.”

Danke, Jamie.

Er und Aspirin haben es geschafft. Ich kann langsam wieder klarer denken und funktionieren.

Nächstes Mal mache ich das mit den Eggs Benedict, nehme ich mir vor. Also den Trick in der… FRISCHHALTEFOLIE!

DAS IST DAS WORT!

FRISCHHALTEFOLIE!

Ob das geklappt hat, werde ich natürlich mitteilen, sonst hat man ja gar nichts von meinen Küchengeschichten…

 

PS an den Mitbewohner: Wenn Du das hier liest… Ich kann (oder will) gerade nicht nachsehen, aber ich glaube, wir sind short on Frischhaltefolie. Ich versuche welche zu kaufen, aber wenn ich es bis Donnerstagabend nicht schaffe, könntest Du dann… Also…  Vielleicht… Hm?

 

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s